Rattengift

Ratten im Haus oder im Garten sind unliebsame Schädlinge, die niemand haben möchte. Neben Lebendfallen, Katzen als natürlichen Feinden oder dem Erschlagen gibt es die Möglichkeit, Rattengift einzusetzen.
Die Wanderratte ist in Mitteleuropa die am häufigsten verbreitete Art. Wanderratten sind Allesfresser und suchen daher die Nähe zum Menschen, die ein hohes Nahrungsvorkommen garantiert. In der Natur stören sie niemanden, doch in menschlichen Behausungen und Gebäuden zählen sie zu den Schädlingen. Sie können Krankheiten übertragen, Lebensmittelvorräte verunreinigen und Kabel wie auch Möbel anknabbern. Bereits im Garten sind sie nicht gerne gesehen, wenn dort Kinder spielen oder Haustiere rumtoben. Werden Ratten im Garten gesichtet, kann es auch schnell passieren, dass sie in Wohnbereiche vordringen. Diese Nagetiere vermehren sich sehr schnell, so dass zügig gehandelt werden sollte, wenn sie in der Nähe des Menschen auftauchen. Eine Möglichkeit, gegen Ratten vorzugehen, ist das Auslegen von Rattengift. Hierbei handelt es sich um giftige Substanzen, welche auch für den Menschen und die Haustiere nicht ungefährlich sind. Bevor Rattengift daher zum Einsatz kommt, sollte sich sehr genau darüber informiert werden. Verschiedene Substanzen sind freiverkäuflich zu erwerben, die hochtoxischen Gifte dürfen nur Fachleute mit Spezialnachweis anwenden. Ratten entwickeln sehr schnell Resistenzen gegen Gifte, weshalb die Anwendung älterer Substanzen nicht zu empfehlen ist, da sie eventuell wirkungslos sind.

Wie funktioniert ein Rattengift?

Bei Rattengift handelt es sich um feste Köder, welche ausgelegt werden, damit die Ratten diese fressen. Bei Rattengift wird auch von Rodentizid gesprochen, was darauf hinweist, dass auch andere Nagetiere wie Mäuse damit bekämpft werden können. Die Köder beinhalten Substanzen, welche die Gerinnung von Blut hemmen, so dass die Tiere bereits an sehr kleinen Wunden sterben. Ihre Wirkung setzt mehrere Stunden nach Verzehr ein. Die Tiere sterben letztendlich an einer tödlichen, inneren Blutung. Ratten sind von Natur aus sehr neugierig und vorsichtig, aber auch sehr intelligent. Sie schicken eine Ratte als Vorboten voraus, um eine neue Nahrungsquelle zu vergleichen. Diese Ratte probiert den Köder, den geschmacklich sind sie sehr verlockend. Würden diese Vorboten direkt neben den Giftködern sterben, würden andere Tiere diese meiden, auch wenn der Duftstoff noch so verführerisch ist. Die Ratten sind in der Lage, diesen Zusammenhang zwischen dem Fressen und direktem Sterben herzustellen. Daher sind die Giftstoffe so entwickelt, dass die Wirkung zeitverzögert nach bis zu 48 Stunden erst eintritt. Somit können die Ratten diesen Zusammenhang nicht mehr herstellen.

Kaufberatung für Rattengifte: Worauf müssen Sie achten?

Rattengift ist auch für den Menschen oder Haustiere nicht ganz ungefährlich, weshalb seit 2013 nicht mehr jedes Rattengiftfreiverkäuflich ist. Die hochgiftigen Substanzen dürfen nur noch an Fachleute verkauft werden. In der Landwirtschaft wird häufig Rattengift eingesetzt. Landwirte benötigen dafür einen speziellen Nachweis. Als Privatperson gibt es die Möglichkeit, Rattengift mit dem Wirkstoff Wafarin zu erwerben. Doch auch bei diesem Rattengift sind die Anwender angehalten, diesen sehr sorgfältig zu handhaben. Bevor die Giftköder gekauft werden, sollte sich jeder ausführlich darüber informieren. Die Köder gibt als feste Blöcke, in Form von Pasteten oder als Frischköder, sogenannte Getreideköder oder auch Weizengift genannt. Die Fraßköder werden immer in speziellen Boxen ausgelegt. Wenn die Köder ausgelegt werden, sollte sich immer an die Anweisungen auf der Packungsbeilage gehalten werden. Ein Fachmann kann über Rattengifte beraten und die passenden Köder verkaufen.

Wie wird das Rattengift angewendet?

Werden Ratten im Gebäude festgestellt, kann Rattengift verwendet werden, um dagegen vorzugehen. Hierbei handelt es sich meistens um feste oder pastenartige Fraßköder. Die Ratten fressen davon und nehmen das Gift oral auf. Die Köder sollten an Stellen ausgelegt werden, die für Haustiere und Kinder unzugänglich sind. Beim Auslegen spielt die Hygiene eine große Rolle. Die Köder sollten zur eigenen Sicherheit niemals ohne Schutzhandschuhe angefasst werden. Für das Auslegen eignen sich Kellerräume, vorhandene Dachböden oder auch Zwischenräume. Wenn Unsicherheit besteht, wo die Köder ausgelegt werden können, ist das Ausstreuen von Mehl an verschiedenen Stellen zu empfehlen. Nach einigen Tagen zeigen Spuren im Mehl, wo sich die Ratten bevorzugt aufhalten. An diesen Stellen können die Köder ausgebracht werden. Da das Gift zeitverzögert wirkt, kann es einige Tage dauern. Daher sollten die ausgelegten Köder immer wieder kontrolliert werden und nachgelegt werden, bis keine Abnahme beim Köder mehr zu sehen ist. Findet dies nicht statt, können einige Ratten durchkommen und durch die hohe Vermehrung sich schnell wieder zu einer Plage entwickeln. Finden Sie eine tote Ratte, entsorgen Sie diese. Dafür werden wieder Handschuhe angezogen und die Ratte mit einem Papiertuch aufgenommen und in eine Mülltüte verpackt.
Bei einem Rattenbefall größerer Gebäude wie Getreidespeicher oder Lagerhalle kann durch einen Spezialisten auch eine Begasung der Räumlichkeiten vorgenommen werden. Nach jedem Kontakt mit dem Köder oder einer Ratte sind die Hände gründlich mit Wasser und Seife zu waschen.

Wirksamkeit von Rattengift

Bei Rattengift handelt es sich um hochtoxische Substanzen zur Bekämpfung von Mäusen und Ratten. Die Wirkung beruht auf Antikoagulantien. Dies sind chemische Stoffe, welche die Blutgerinnung hemmen. Gifte mit den chemischen Verbindungen Bromadiolen, Diphacion, Gumarin und Indandion sind nur an Personen mit speziellem Nachweis zu verkaufen. Privatpersonen können Rattengift mit dem Inhaltsstoff Warfarin freikäuflich erwerben.
Die giftigen Substanzen greifen in den Prozess der Blutgerinnung ein, indem sie der Struktur von Vitamin K nachempfunden sind. Vitamin K wird im Körper benötigt, um die verschiedenen Gerinnungsfaktoren in ihre wirksame Form zu überführen. Gerinnungshemmende Proteine werden weiterhin in der Leber synthetisiert, wobei Vitamin K ebenfalls eine Rolle spielt. Die Substanzen gegen Ratten sind Vitamin-K-Antagonisten. Durch ihre strukturelle Ähnlichkeit zu dem Vitamin besetzen sie seine Positionen an den Enzymen in den Stoffwechselprozessen. Die Wirkstoffe verhindern eine Regeneration des Vitamin K in seine biologisch wirksame Sturktur. Die Gerinnungsfaktoren werden nicht mehr in ihre aktive Form überführt und es findet keine Synthese von Gerinnungsproteinen in der Leber statt. Rattengift stört insgesamt die Gerinnung im Körper. Sie findet nicht mehr statt. Die Leber der Tiere wird durch diese Substanzen geschädigt, es kommt zu Blutungen im Schädel, in den Harnwegen und dem Magen-Darm-Trakt. Die Ratten verbluten innerlich. Nachdem sie vom Köder gefressen haben, dauert es 36 bis 48 Stunden, bis die Tiere verenden. Nach Aufnahme des Köders können die Nagetiere an den kleinsten Wunden sterben. Durch die Zeitverzögerung bringen die Ratten den Tod nicht mit der Aufnahme des Köders in Verbindung und meiden ihn dadurch nicht. Würden die Ratten direkt neben dem Köder sterben, würden die anderen Tiere diesen meiden.
Zur Begasung kommen Substanzen zum Einsatz, welche giftigen Phosphorwasserstoff bilden. Hierbei handelt es sich um ein Atemgift, welches zum Tod der Tiere führt.
Bestehen bei den Tieren keine Resistenzen gegen die Substanzen, handelt es sich um hochwirksame Gifte, die sehr schnell eine Rattenplage eindämmen können.

Wirkstoffe in den Rattengiften

Der natürlich vorkommende giftige Wirkstoff zur Hemmung der Blutgerinnung ist Cumarin. Später wurden Cumarin-Derivate entwickelt. Die Wirkstoffe werden eingeteilt in erste und zweite Generation. Das freiverkäufliche Warfarin und Coumatetralyl zählen zur ersten Generation aus den 70er und 80er Jahren. Ratten können sehr schnell Resistenzen entwickeln, wodurch die Stoffe nicht mehr wirksam sind. Bei diesen beiden Wirkstoffen wurden Resistenzen festgestellt, zwischenzeitlich waren sie wieder wirksam, doch seit einigen Jahren werden erneut Resistenzen verzeichnet. Als Cumarin-Derivat besitzt Warfarin eine strukturelle Ähnlichkeit zu Vitamin K und heftet sich stattdessen an das Enzym und hemmt somit die Blutgerinnung.
Wirkstoffe der zweiten Generation sind Bromadiolon sowie Difenacoum. Sie finden Anwendung in der Landwirtschaft sowie in kommunalen Bereichen. Diese Wirkstoffe dringen ebenfalls über die Haut sowie die Atmungsorgane in den Körper ein, weshalb sie nicht freiverkäuflich sind, sondern nur von Personen mit gültigem Nachweis verwendet werden dürfen. Auch diese beiden
Wirkstoffe stören die Blutgerinnung.
Für Innenräume kommen Brodifacon, Difethialon und Flocoumafen. Bei diesen hochgiftigen Substanzen dürfen die Tiere nicht nach außen gelangen, da die Gefahr einer Sekundärvergiftung für andere Tiere zu groß ist. Dies kann passieren, wenn Raubvögel die Ratten fressen und dadurch das Gift aufnehmen. Sie wirken ebenfalls giftig durch Hemmung der Blutgerinnung.
Bei der Begasung sterben die Tiere durch ein Atemgift. Hier werden Substanzen verwendet, welche mit Feuchtigkeit Phosphorwasserstoff bildet. Dieser verteilt sich in den Gängen der Nagetiere und führt zum Ersticken. Solche Phosphinbildner sind Aluminiumphosphid, Calciumphosphid oder Magnesiumphosphid. Diese gibt es in Tablettenform und werden ausgelegt. Wenn sie mit Feuchtigkeit reagieren, werden die tödlichen Gase frei. Diese Methode wird auch in Getreidesilos gewählt. Die Tabletten reagieren mit der Restfeuchte des Getreides und töten vorhandene Nagetiere ab.

Schädlichkeit von Rattengift

Bei den Rattengiften handelt es sich um hochtoxische Substanzen, weshalb nicht alle Wirkstoffe freiverkäuflich sind, sondern nur mit speziellem Nachweis verwendet werden dürfen. Sie werden zu den potentiellen Umweltchemikalien eingeordnet, da sie nicht nur selektiv auf Ratten und Mäuse wirken, sondern auch eine Gefahr für nützliche Tiere wie Raubvögel haben, aber auch den Tod von Füchsen, körnerfressenden Vögeln oder Mardern verursachen. Nehmen Haustiere Rattengift auf, sterben sie ebenfalls daran. Bei unsachgemäßer Anwendung können auch Menschen vergiftet werden. Durch die Zeitverzögerung der Wirkung bis zu 48 Stunden ist eine Vergiftung nicht direkt spürbar. Besteht dennoch der Verdacht einer Vergiftung mit Rattengift, sollte sich sofort an die Giftnotzentrale gewendet werden. Angaben zu Produkt und Hersteller sind hierbei empfehlenswert. Mit Vitamin K als Antidot kann dagegen vorgegangen werden, wenn die Gabe schnell genug erfolgt. Das Vitamin K verdrängt das Gift von den Enzymen und die Blutgerinnung wird nicht mehr gehemmt.

Vorteile und Nachteile von Rattengiften

Zu den klaren Vorteilen zählt die zeitverzögerte Wirkung, so dass die Ratten keinen Zusammenhang zwischen dem Giftköder und dem Verenden der Artgenossen herstellen können. Die Giftköder besitzen häufig einen verführerischen Duft und Lockstoffe, so dass die Tiere sehr gerne davon fressen. Die Tiere sterben einen „sauberen“ Tod. Die Giftköder können einfach ausgelegt werden unter Beachtung der Hygieneregeln und Sicherheitshinweise. Danach werden sie regelmäßig kontrolliert. Durch die Zeitverzögerung der Wirkung werden die vorsichtigen Tiere nicht misstrauisch gegenüber den „Leckerbissen“, so dass eine ganze Kolonie davon frisst und dadurch beseitigt werden kann.
Der Nachteil von Rattengift ist allerdings, dass die Tiere recht schnell Resistenzen gegen die Gifte entwickeln und diese dann nicht mehr wirken. Daher wird der Einsatz älterer Mittel bei einer Rattenplage absolut nicht empfohlen. Werden Köder ausgelegt und Sie stellen fest, dass die Ratten nicht verschwinden, obwohl sie fleißig den Köder fressen, sollte das Auslegen sofort gestoppt und ein Fachmann zu Rate gezogen werden. Die hochtoxischen Substanzen dürfen nur von einem Spezialisten verwendet werden. Ebenfalls sollte ein übermäßiger Gebrauch von Rattengift vermieden werden, um nicht die Ausbildung weiterer Resistenzen zu unterstützen.
Ein weiterer Nachteil ist die unspezifische, hohe Toxizität, so dass Rattengift nur mit äußerster Vorsicht angewendet werden darf. Bei Anwendung müssen alle Sicherheitshinweise beachtet werden, die Lagerung und auch das Auslegen sollten außer Reichweite von Kindern und Haustieren erfolgen, um diese keiner Gefahr auszusetzen.
Beim öffentlichen Auslegen von Rattengift in Gartenanlagen sollte vorher ausreichend informiert werden. Auch Hunde werden durch die Lockstoffe der Fraßköder angelockt und können sich dann recht schnell vergiften.

Hersteller von Rattengiften

Es gibt verschiedene Hersteller für Rattengifte. Rattengift wird u.a. hergestellt von Bayer, Detia Freyberg GmbH, India Industrie Chemie, Rentokil oder Etisso. Es ist empfehlenswert, bei der Verwendung von Rattengift die Informationen zu Hersteller und Produkt aufzuheben, so lange das Produkt in Gebrauch ist.

Oft gestellte Fragen

Ist Rattengift nur für Ratten geeignet?

Nein, Rattengift ist nicht nur für Ratten geeignet. Es wirkt nicht selektiv, so dass es auch zur Bekämpfung anderer Nagetiere verwendet werden kann. Wenn ein Marder immer wieder die Autokabel durchbeißt, kann ebenfalls Rattengift ausgelegt werden.

Wie wird Rattengift ausgelegt?

Wenn mit Rattengift hantiert wird, sollten immer Handschuhe getragen werden, damit die Haut nicht mit dem Gift in Berührung kommt. Die Fraßköder werden in Köderboxen an für Kinder und Haustiere unzugängliche Stellen ausgelegt wie Kellerräume oder Dachboden.

Ist Rattengift gefährlich?

Ja, Rattengift ist hochtoxisch und daher für alle Lebewesen gefährlich.

Wieviel Rattengift werde ich verbrauchen?

Das kommt auf die Menge der Ratten an. Die Köder werden ausgelegt und alle drei Tage kontrolliert. Werden sie angenommen, wird immer wieder Köder nachgelegt bis keine Annahme mehr erfolgt. Dann kann davon ausgegangen werden, dass keine Tiere mehr vorhanden sind.

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